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Queer-Theorie: Philosophie und politische Kritik, keine empirische Disziplin
Die Queer-Theorie ist eine akademische Strömung, die 1990 entstand. Sie arbeitet mit Textanalyse und politischer Kritik statt mit überprüfbaren Hypothesen. Dass eine Strömung einflussreich ist, macht sie noch nicht empirisch validiert.
Herkunft und Schlüsselfiguren
Der Begriff „Queer-Theorie“ wurde von Teresa de Lauretis geprägt, die 1990 die erste Konferenz zu diesem Thema organisierte (Quelle). Eve Kosofsky Sedgwick (Epistemology of the Closet, 1990) und Judith Butlers Gender Trouble (1990) gehören zu den Kerntexten (Quelle, Quelle). Die Strömung sieht Wissensproduktion als mit Machtverhältnissen verbunden. De Lauretis gab den Begriff etwa drei Jahre später wieder auf, weil er laut dem Überblick von Annamarie Jagose von den Mainstream-Kräften und Institutionen vereinnahmt worden war, gegen die er geprägt wurde (Quelle).
Keine empirische Disziplin
Die Queer-Theorie arbeitet vor allem mit Textanalyse und politischer Kritik und liefert selten überprüfbare Hypothesen. Damit fehlt ihr die Selbstkorrektur empirischer Forschung. Siehe „unfalsifizierbar“: Eine Theorie, die jedes Gegenbeispiel als Beweis für sich selbst umdeutet, ist schwer zu widerlegen. Helen Pluckrose und James Lindsay behandeln die Queer-Theorie in Cynical Theories (2020) als eines der Felder, in denen nach ihrer Darstellung „applied postmodernism“ entstanden ist (Quelle).
Einfluss außerhalb der Universität
Helen Joyce argumentiert in Trans (2021), dass die Lobbyarbeit von Trans-Aktivisten dafür sorgte, dass die Geschlechtsidentität in der Politik an die Stelle des biologischen Geschlechts treten konnte (Quelle). Die Yogyakarta-Prinzipien wurden 2006 von einer Gruppe von Menschenrechtsexperten verfasst und nicht per Vertrag von Staaten oder den Vereinten Nationen angenommen (Quelle). Wie groß der Einfluss akademischer Strömungen auf Politik und Leitlinien war, beantwortet dieser Artikel nicht: Dazu wurde keine Untersuchung gefunden.
Der klinische Kontext
Der Cass-Bericht (2024) nennt die Versorgung von Jugendlichen mit Geschlechtsdysphorie im Vorwort „an area of remarkably weak evidence“ (Quelle). Cass schreibt (Abs. 9.32), dass WPATH 8 die Stärke der Evidenz überschätzt, und nennt die Organisation für die internationale Praxis sehr einflussreich (Quelle). Der Bericht erwähnt die Queer-Theorie nicht und stellt keinen Zusammenhang zwischen akademischen Strömungen und Leitlinien her. Cass schreibt im Vorwort außerdem, dass es nur wenige andere Bereiche im Gesundheitswesen gibt, in denen Fachleute so große Angst haben, offen ihre Meinung zu äußern (Quelle). Kathleen Stock gab am 28. Oktober 2021 ihren Weggang von der University of Sussex bekannt, nach einer Kontroverse über ihre Ansichten zu Transrechten (Quelle).
Häufig gestellte Fragen
Eine akademische Strömung aus dem Jahr 1990, die Identität und Sexualität analysiert, unter anderem im Werk von Sedgwick und Butler.
Nicht im empirischen Sinne. Sie arbeitet vor allem mit Textanalyse und politischer Kritik, nicht mit überprüfbaren Hypothesen. Es ist eine philosophische und kulturwissenschaftliche Tradition.
Cass nennt die Versorgung von Jugendlichen mit Geschlechtsdysphorie im Vorwort „an area of remarkably weak evidence“ und schreibt, dass WPATH 8 die Stärke der Evidenz überschätzt. Einen Zusammenhang mit der Queer-Theorie stellt der Bericht nicht her.
Quellen
- Sedgwick, E. K. (1990). Epistemology of the Closet. University of California Press.
- Butler, J. (1990). Gender Trouble. Routledge.
- Pluckrose, H. & Lindsay, J. (2020). Cynical Theories. Pitchstone.
- Joyce, H. (2021). Trans: When Ideology Meets Reality. Oneworld.
- Cass, H. (2024). Independent Review – Final Report.